tischler-news

Ausgabe 

EU-Renovierungswelle

12.04.2021

UmweltBriefe Nr. 11/2020 S. 20

Die EU will die Sanierungsrate im Gebäudebestand von derzeit ca. 1 Prozent auf das Doppelte erhöhen. In einer europaweiten Sanierungswelle sollen in den nächsten 10 Jahren mindestens 35 Millionen Gebäude energetisch auf Stand gebracht werden. Dafür müssen ca. 285 Milliarden Euro aufgebraucht werden. Die EU will das ganze Thema mit Geld aus dem EU-Haushalt unterstützen. Geplant ist von 2022 an schrittweise energetische Mindeststandards für den Gebäudebestand einzuführen. Insgesamt gibt in Europa etwa 220 Millionen Wohngebäude. Diese verbrauchen immerhin 40 Prozent der EU benötigten Energie und verursachen 36 Prozent des Klimagas-Ausstoßes. Die Sanierung soll zu einem Beschäftigungsprogramm entwickelt werden und zugleich die Heizkosten und den Energieverbrauch senken.

Die deutsche Wohnungswirtschaft hat aber Bedenken, dass damit die Wohnkosten stetig steigern. Dazu gibt es einen Vorschlag von dem Institut Agora Energiewende. Deren Experten schlagen vor, den deutschen Mietmarkt vom Kalt- auf Warmmieten umzustellen. Das werde den klimafreundlichen Umbau von Mietshäusern fördern und zugleich Mieter vor teuren, ineffizienten Modernisierungen schützen. Im Warmmietenmodell vereinbaren Mieter und Vermieter eine über die Wintermonate garantierte Raumtemperatur und eine dazu erforderliche Energiemenge als Referenzgröße. Verbraucht der Mieter mehr, muss er nachzahlen, verbraucht er weniger, erhält er eine Rückzahlung. Saniert der Vermieter das Haus, sinkt die nötige Energiemenge für die garantierte Raumtemperatur, der dafür vereinbarte Preis bleibt dagegen gleich.

Die Differenz zwischen den Heizkosten vorher und nachher kommt dem Vermieter zugute. Dies soll den Vermietern einen Anreiz zur Sanierung geben. In Schweden habe man mit dem Warmmieten-Modell gute Erfahrungen gemacht. Die Emissionen der Haushalte, welches dieses Prinzip angewendet haben, seien um 95 Prozent gesunken. Funktionieren kann das Prinzip aber nur, wenn die Energiepreise nicht zu stark schwanken bzw. in der Einsparung sich für den Vermieter rechnen – was bei dem aktuellen Ölpreisniveau nur schwer zu erreichen ist.

(Quelle: UmweltBriefe Nr. 11/2020 S. 20)