tischler-news

Ausgabe 98

Holzstaub wird zum AGW spezial

15.02.2021

Aktuell wird die TRGS 553 Holzstaub überarbeitet. Diese staatliche Richtlinie hat eine hohe Bedeutung für alle Bereiche der Holzwirtschaft. Da Holzstaub als krebserzeugend für den Menschen eingestuft worden ist, greifen hier automatisch eine Fülle von besonderen Anforderungen aus dieser Zuordnung als krebserzeugender Stoff. Da sich das Grundmaterial Holzschlecht substituieren lässt in der Holzbranche hat man vor 20 Jahren die TRGS 553 speziell für die Holzverarbeitung erstellt. Angesichts der doch sehr überschaubaren Fallzahlen an den speziellen intestinalen Nasenkrebserkrankungen ist es der Arbeitswissenschaft bisher noch nicht gelungen, einen eindeutigen Arbeitsplatz-Grenzwert (AGW) zu definieren, der ein Belastungsniveau beschreibt, welches für den Mitarbeiter in der Holzbranche keinem höheren Risiko für eine Nasenkrebserkrankung aussetzt, als dies auch in der Allgemeinbevölkerung der Fall ist. Deshalb hat man die berühmten 2 mg/m³ Holzstaub früher als Technische Richt-Konzentration (TRK) und heute als Beurteilungsmaßstab (BM) bezeichnet.

Trotz dieser eher schwachen Datenlage hat sich das zuständige Gremium für die Gefahrstoffgrenzwerte jetzt dafür ausgesprochen, den bisherigen BM für Holzstaub in einen AGW(E)28 umzuwandeln, da dies schließlich auf europäischer Ebene geboten sei, wo man einen Grenzwert zwischen 1 und 3 mg/m³ als gesundheitlich relevant definiert hat. Diese deutsche Entscheidung erfolgte trotz der Tatsache, dass es in Europa sehr unterschiedliche Messverfahren und Vorgehensweisen bei der Ermittlung der Holzstaubkonzentration am Arbeitsplatz gibt.

Einerseits ergibt sich aus einer solchen Einstufung des 2 mg-Grenzwertes für Holzstaub als AGW(E)28 ist, dass es keine Pflichtuntersuchung auf Holzstaub gibt, wenn dieser Grenzwert sicher eingehalten werden kann – sprich wenn die aktuell gültige DGUV 209-044 „Holzstaub“ im Betrieb umgesetzt wird. Die wesentlichen technischen Vorgaben aus dieser BG-Schrift finden sich auch im Anhang der TRGS 553. Daneben gibt es klare Einstufungen bei AGWs für sogenannte Kurzzeitbelastungen. Daraus lässt sich ableiten, dass bei einzelnen Bearbeitungen maximal bis zum 8fachen Grenzwert – sprich 16 mg/m³ - eine Belastung mit Holzstaub für höchstens 30 Minuten in einer Schicht erfolgen darf, damit der Schichtmittelwert von 2 mg/m³ noch eingehalten werden kann. Dies erleichtert den Umgang mit den sogenannten Problem-Maschinen – wie die Bandsäge, Doppelabkürzsäge etc., die auch bei technisch aktueller Nutzung laut BG-Messungen mit der Holzstaubbelastung bei 3 – 5 mg/m³ liegen – somit den 2 mg/m³-Grenzwert als Schichtmittelwert nicht einhalten können. Der Grenzwert kann dann aber bei geringerer Nutzung dieser Maschinen pro Tag eingehalten werden. Dies soll in einem neuen Anhang in der TRGS 553 dem Anwender verdeutlicht werden.

Des Weiteren ergibt sich aus der AGW(E)28 Einstufung, dass der Arbeitsgeber keine Dokumentation der Holzstaubexposition für seine Mitarbeiter 40 Jahre vorhalten muss, wenn er nach den technischen Vorgaben der TRGS 553 belegen kann, dass der 2 mg-Grenzwert eingehalten wurde.

Der wesentliche Nachteil des neuen AGW(E)28 Wertes ist allerdings, dass die Entscheidung über dessen Höhe nicht mehr unter der technischen Machbarkeit erfolgt, sondern im Wesentlichen statistisch abgeleitet werden kann. Von daher steht zu befürchten, dass der aktuelle 2 mg-Grenzwert  mittelfristig deutlich abgesenkt werden könnte, um eine vermeintliche Krebsgefahr sicher ausschließen zu können. Dies würde allerdings aus technischer Sicht, eine Holzverarbeitung im heutigen Sinn unmöglich machen. Von daher gilt es, dass hier alle Arbeitgeberverbände der Holzbranche zusammenarbeiten, um in Abstimmung mit den Sozialpartnern eine solche Weiterentwicklung des AGW Holzstaub zu verhindern.