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Ausgabe 97

Konsequentes Recycling

07.12.2020

Holz-Zentralblatt Nr. 16 S. 309

Beim Neubau wird zwar viel über Recycling diskutiert, aber konkrete Beispiele sind noch selten. Im hannoverschen Stadtteil Kronsberg entstanden nun Recyclinghäuser, bei denen nicht nur die zukünftige Wiederverwendbarkeit beachtet wurde, sondern auch – soweit möglich – bereits gebrauchte Materialien und Bauteile verwendet.  recht konsequent mit Recyclingmaterialien neue Wohnhäuser gebaut. Realisiert wurde damit ein dreigeschossiges Gebäude mit einer Bruttogeschossfläche von 280 m². Die Wahl fiel auf eine Holzkonstruktion, damit konnten bereits im Rohbau rund 100 t CO2 eingespart werden. Die Massivholzkonstruktion aus „Nur-Holzelementen“ besteht zwar ihrerseits nicht aus bereits gebrauchten Elementen, ist jedoch wegen der weitgehend leim- und metallfreien Ausführung einfach und zu einem großen Anteil recyclebar. Alle Holzbauteile wurden inklusive der Fenster- und Türausschnitte im Werk vorgefertigt. Für die Dämmung der Gefache wurden recycelten Jutesäcken verwendet. Die Vorhangfassade ist nicht einheitlich gestaltet, sondern besteht aus gebrauchten „Eternit“-Platten und Profilbaugläsern, vorvergrauter Lärche und im Eingangsbereich aus Holzlatten alter Saunabänke. Auch die verwendeten Fensterelemente waren bereits in einem anderen Gebäude im Einsatz.

Die Planung der Wände erfolgte dann quasi um die Fenster herum. Dies setzt natürlich voraus, dass die Daten der verfügbaren Bauelemente bei der Bauplanung zurück Verfügung stehen. Für das Fundament des nicht unterkellerten Gebäudes wurde Recyclingbeton verwendet. Beim Deckenaufbau wurde eine Hanffilz und darauf gebrauchte Betongewegplatten für den Schallschutz sowie als thermische Speichermasse verwendet. Auf den Platten befindet sich eine Kreuzlattung mit Zellulosedämmung, eine Lage Spanplatten und schließlich ein Teppichboden aus Recyclinggarn. Die Spanplatten wurden von einem Messebauer aus dem Umland bezogen und wurden nicht nur für den Fußboden, sondern auch für den Innenausbau verwendet. Bei den Wänden kam Eichenholz aus regionalem, oft aus Abbruchholz zum Einsatz. Andere Innenwände bestehen aus Abbruchziegeln. Wo möglich wurden historische Bauernhausaußentüren zu Innentüren umgearbeitet, Treppenstufen und Handläufe aus alten Stahlbauteilen oder gebrauchte Waschtische eingebaut.

Wesentliche Probleme bei der Nutzung gebrauchter Produkte vor allem im Holzbereich sind die in den 70er und 80er Jahren stark verwendeten Holzschutzmittel und PCB-Belastungen. Für die gesamte Hauskonstruktion war Grundgedanke die einfache Demontierbarkeit in möglichst materialspezifischer Form. Recyclingprodukte in Neubauten einzusetzen kann aber nur dort gelingen, wenn ausreichend Konstruktions- und Materialdaten der alten Produkte noch verfügbar sind. Das Recyclinghaus in Kronenberg war teurer als ein normaler Neubau, dafür aber deutlich individueller in der Gestaltung und Konzeption.

(Quelle: Holz-Zentralblatt Nr. 16 S. 309)