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Ausgabe 95

Neuentwicklung von Fenstern mit Vakuumglas

26.10.2020

Holz-Zentralblatt Nr. 11 S. 228

Die Holzforschung Austria und die TU Wien forschen seit einigen Jahren gemeinsam mit Fensterherstellern an neuen Konstruktionen, um die Vorteile von Vakuumgläsern besser zu nutzen. Dabei wird zwischen Bestandsfenstern und neuartigen Fensterkonstruktionen unterschieden. Bei Bestandsfenstern wie beispielsweise Kastenfenster ist die Erhaltung der optischen und architektonischen Erscheinung vorranging. Hier bieten Vakuumgläser eine Option für die thermische Ertüchtigung von denkmalgeschützten Bauwerken. Das größte Problem bleiben aber die daraus resultierenden erheblichen Wärmebrücken im Rahmenbereich. Bei neuen Fensterkonstruktionen kann gegenüber herkömmlichen 3-Glas-Scheiben mit deutlich geringeren Rahmenbreiten gearbeitet werden. Die Holzforschung Austria hat hierzu 4 funktionsfähige Prototypen entwickelt, um die den Einsatz von Vakuumgläsern im Fensterbau zu optimieren.

Typ A ist das raumseitig flächenbündige, nach innen öffnende Drehfenster. Es hat keine vorspringenden Bedienelemente. Die Ansteuerung erfolgt durch integrierte Motoren und kann in eine Lüftungsstellung (60 mm) und dann manuell durch die voll verdeckt liegenden Ecklager bis 90 Grad geöffnet werden kann. Der Nutzer lehnt das Fenster beim Schließen nur an, bevor es dann motorisch geschlossen und verriegelt wird.

Das Typ B Fenster ist ein nach außen öffnendes Parallel-Abstell-Dreh Fenster. Auch hier erfolgt motorisch eine Öffnung des Fensters parallel nach außen um 60 mm und kann dann manuell bis 90 Grad nach außen gedreht werden. Durch die außen am Flügelrahmen montieret Scheibe sowie die Integration des Rahmens in die Wand ergibt sich von innen eine sehr reduzierte Optik, da das Glasmaß dem Lochmaß der Wand entspricht.

Bei dem Typ C Schwing-Klapp Fenster handelt es sich um ein in der Leibung sitzendes Fenster, welches ohne sich bewegende Schließteile zur Verriegelung auskommt. Zum Öffnen wird der Flügel motorisch 10 mm angehoben und an der Oberseite nach innen geführt. Die so eingeleitete Schwing-Klapp-Bewegung wird durch einen Spindelantrieb und einer Schere bis zu einer Öffnung von 85 Grad fortgesetzt. Der Flügel kann in jeder Stellung angehalten werden und bietet damit ein breites Spektrum an Lüftungs- und Öffnungsmöglichkeiten.

Als Typ D wurde ein Abstell-Schiebe-Fenster entwickelt. Die Öffnungsart ist zunächst ein Abstellen – sprich motorisches paralleles Öffnen nach außen – und ein darauffolgendes seitliches Verschieben vor die Außenwand. Das Fenster besitzt im geschlossenen Zustand keine sichtbaren Schiebeschienen. Dies wird durch verdeckt installierte Teleskopauszugsschienen ermöglicht. Der Fensterstock bildet die innere Fensterleibung mit integrierten Bedienschaltern. Öffnen und Schließen des Fenster erfolgen analog den anderen Prototypen. Ein Sonnenschutz durch Raffstore ist bei den Fenstertypen A und B kein Problem. Bei den Typen C und D kann der zusätzliche Sonnenschutz nur durch elektrochromes Glas oder Glas mit schaltbaren Flüssigkristallen ergänzt werden. Im Bereich der Schiebefenster ist die Dichtungskonfiguration und die Erzielung des notwendigen Anpressdruckes immer wieder eine Herausforderung. Im Rahmen des Projektes entwickelt Holzforschung Austria dafür eigenen Ansatz. Für das Öffnen des Fensters wird in den Hohlprofilen der Dichtung ein Unterdruck erzeugt, damit diese sich zusammenzieht und den Flügel freigibt. Unter Normaldruck expandiert die Dichtung wieder und erzeugt den notwendigen Anpressdruck. Dieser Unterdruck wurde mit einer kleinen Pumpe und einer eingestochenen Nadel erzeugt. Durch die Variation des Druckes konnte sehr gut stehendes Wasser an der Dichtung am Eindringen gehindert werden. Hier wird noch an einfacheren Techniken gearbeitet.

(Quelle: Holz-Zentralblatt Nr. 11 S. 228)