tischler-news

Ausgabe 95

Funktionsholz ohne Lignin

16.11.2020

NZZ

Schweizer Forscher aus Zürich (Empa) haben das Holz in seinen Funktionen deutlich erweitert., um die mechanischen Eigenschaften von Holz deutlich zu verbessern. Chemisch besteht Holz aus den Bestandteilen Zellulose, Hemizellulose und Lignin. Das Lignin sorgt dafür, dass die Zellulosefäden stabilisiert werden und nicht einknicken. Mit Hilfe von Säure lösten die Forscher das Lignin aus dem Holz und entfernten damit den natürlichen Klebstoff. Die verbleibende, weiße Zellulose, lässt sich im nassen Zustand in jede beliebige Form bringen. Zwischen den Zellen, wo einst Lignin für Stabilität gesorgt hat, verteilt sich das Wasser. Es löst die Zellverbindungen an und macht damit das „Holz“ verformbar. Wenn das Holz danach wieder trocknet, so verhaken sich die Zellen ineinander und erzeugen stabile Verbindungen.  Durch Pressen wird danach das Holz verdichtet. Dadurch entsteht ein Material, welches drei Mal steifer und zugfester ist als naturbelassenes Fichtenholz. Eine wasserabweisende Beschichtung dient dann für den erforderlichen Feuchteschutz, damit die gewünschte Form beibehalten wird. Die Entfernung des Lignins aus dem Holz führt neben der Verformbarkeit zu einer höheren Porosität. Dadurch gibt es mehr Raum zwischen den Zellen, indem weitere Stoffe in die Holzstruktur eingebracht werden können, um dem modifizierten Holz neue Eigenschaften verliehen .Die Gruppe «Wood Materials Science» der Empa hat damit erste Produktideen umgesetzt, wie ein Fahrradhelm, die Innenverkleidung einer Autotür oder der Seitenspiegel eines Fahrzeugs.

(Quelle: NZZ)