tischler-news

Ausgabe 95

Neue TRGS 519 Asbest

26.10.2020

Obwohl Asbest schon seit 1993 in Deutschland in der Anwendung im Bau verboten ist, gibt es immer noch recht viele Rentenfälle für die BG aus den früheren Asbestbelastungen der Mitarbeiter. Die damit verbundene Berufskrankheit Asbestose hat eine sehr lange Vorlaufzeit. Der gesetzlich geforderte Umgang mit asbesthaltigen Produkten ist in der TRGS 519 beschrieben. Vor allem im Dach- und Außenbereich hatten sich bisher Dachdeckerbetriebe auf den aufwändigen Umgang in der Entsorgung und Ausbau von Asbestprodukten spezialisiert. Nun hat man nach mehr als 25 Jahren begonnen, auch den Asbestgehalt in Bodenbelägen, Spachtelmassen und Putzen wahrzunehmen, die in den Gebäuden vor 1993 verarbeitet wurden. Zusätzlich hat man in einer Überarbeitung der TRGS 519 den bisherigen Grenzwert von 100.000 Fasern/m³ um einen zweiten unteren Wert von 10.000 Fasern/m³ ergänzt. In diesem Zwischenbereich gibt es nun einen „gelben“ Bereich eines erhöhten Risikos im Umgang mit Asbest. Das hat Auswirkungen auf alle am Bau tätigen Handwerksbetriebe. Schon seit Anfang des Jahres 2020 gelten für den Umgang mit asbesthaltigen Altmaterialien deutlich verschärfte Voraussetzungen. Von Seiten von TSD will man sich zunächst dafür einsetzen, die Aufklärungspflicht des Auftraggebers zu klären, damit die Prüf- und Anwendungspflicht nicht allein Handwerksbetrieb verbleibt. Aber allein schon aus der Gefahrstoffverordnung ergibt sich für den Betriebsinhaber eine Aufklärungspflicht, wenn unklar ist, ob seine Mitarbeiter mit eventuell asbesthaltigen Putzen oder Spachtelmassen in Berührung kommen könnten.

Damit beim Setzen von Bohrlöchern und dem Stemmen von Schlitzen die Mitarbeiter keinen erhöhten Asbestbelastungen ausgesetzt sind, müssen anerkannte Verfahren der Bautechnik (BT-Verfahren) zum Einsatz kommen. Der Koordinierungskreis Arbeitsschutz (TSD-KA) setzt sich bei der BGHM dafür ein, derartige Verfahren zu entwickeln und bei den Aufsichtsbehörden anerkennen zu lassen. Die bisher bekannten BT-Verfahren sind recht zeitaufwändig und bedürfen in fast allen Fällen den Einsatz von aufwändigen H-Staubsaugern mit dem Zusatz „Geeignet für Asbest“.

Daneben geht die neue TRGS 519 davon aus, dass vor Ort wenigstens ein Mitarbeiter entsprechend den Qualifikationsmodul Q1E mit 14 Lerneinheiten geschult wird. Dieses neue Modul ist sicherlich für größere Betriebe eine sinnvolle Möglichkeit, um einen sachgerechten Umgang mit den Asbestrisiken auf der Baustelle zu gewährleisten. Gleichwohl kommt kein Betrieb daran vorbei, dass eine Führungskraft – in der Regel der Chef – sich mit dem Lehrgang Q1 als Sachkundiger für „niedriges Risiko“ nach TRGS 519 Anhang 4c mit 17 Lerneinheiten qualifiziert. Mittelfristig kann das sicherlich Eingang in die Meisterausbildung finden, aber für den weitaus überwiegenden Teil der Betriebe bedeutet dies erstmal einen zusätzlichen Qualifikationsaufwand. TSD und die Landesverbände sind dabei, entsprechende Schulungsangebote zu entwickeln, um nicht nur TÜV und Co als Anbieter angewiesen zu sein. Auf Spiegel-Online finden sich schon auf der ersten Seite inzwischen Anzeigen von Anbietern, um das Asbestrisiko vor Ort zu bewerten – damit wird Öffentlichkeit geschaffen und das Tischler- und Schreinerhandwerk muss dazu schnell Lösungen anbieten können.