tischler-news

Ausgabe 94

Spanplatten ab 2020 nur noch mit halben Formaldehydgehalt

11.05.2020

Holz-Zentralblatt Nr. 29, S. 652f

Seit 25 Jahren wird an der Reduzierung von Formaldehyd gearbeitet. Seit der Verschärfung der Einstufung im Hinblick auf dessen Krebsgefährdung durch die WHO als für Menschen relevant, hat das Ganze deutlich zugelegt. Das Umweltbundesamt hat in einem eigenen Verfahren dafür gesorgt, dass in Deutschland ab 2020 nur noch Platten auf dem Markt kommen können, die mit dem Prüfraumverfahren nach EN 16516 getestet wurden. Dies bedeutet gegenüber dem bisherigen Verfahren EN 717-1 faktisch eine Verdoppelung der gemessenen Werte. Während in all den anderen Ländern Europas nach dem EN 717-1 Verfahren getestet wird, soll es hierzulande deutlich strenger zugehen. Dagegen hat die Holzwerkstoffindustrie vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. Die Bund-/Länder Arbeitsgemeinschaft Chemikaliensicherheit hat in seiner letzten Sitzung im September 2019 entschieden, dass an dem Umstellungszeitpunkt 1. Januar 2020 für die neue Referenz-Messmethodik gemäß DIN EN 16516 und die damit einhergehende faktische Absenkung des Material-Grenzwertes für Formaldehyd von derzeit 0,1 auf 0,05 ppm festgehalten wird. Somit müssen ab dem kommenden Jahr die verschärften Anforderungen für Holzwerkstoffe und daraus gefertigte Produkte (z.B. Möbel) erfüllt werden. Daraus ergeben sich u.a. folgende praktische Fragen:

  • Inverkehrbringen von Holzwerkstoffplatten und daraus hergestellter Möbel, die vor dem 1.1.2020 produziert wurden (Lagerbestände)
  • Nachweispflichten für Beschichtungen von Holzwerkstoffplatten <0,05 ppm
  • Einheitliche Kennzeichnung der Holzwerkstoffplatten mit reduziertem Formaldehydgehalt (<0,05 ppm)

Der Fachverband Tischler NRW hatte in diesem Zusammenhang auf das Problem der „Übergangszeit“ bis zum 31.12.2019 aufmerksam gemacht. Zwar könnten Werkstoffe mit altem Grenzwert noch bis Ende des Jahres verkauft werden. Der Tischlerbetrieb muss aber gewährleisten, dass eine Mangelfreiheit baurechtlich zum Zeitpunkt der Abnahme vorliegt, also möglicherweise erst im neuen Jahr. Der Verband hatte daher Verarbeitern empfohlen, bei Aufträgen, die vorhersehbar erst nach dem Jahreswechsel montiert werden (= frühester Zeitpunkt der Abnahme), nur Platten entsprechend der neuen Norm zu verwenden. Die offensichtliche Lücke in den bestehenden Regelungen haben Holzwerkstoffindustrie und Handel veranlasst, das Umweltbundesamt (UBA) zu einer Klärung aufzufordern. Das UBA hat ganz aktuell mitgeteilt, dass aus seiner Sicht alle Holzwerkstoffe, die bis zum 31.12.2019 hergestellt wurden, die Anforderungen der Chemikalienverbotsverordnung (auch nach dem 31.12.2019) dauerhaft, d.h. auch bei jedem weiteren Inverkehrbringen, erfüllen. Um Probleme bei der Umstellung zu vermeiden, empfiehlt der Fachverband handwerklichen Verarbeitern daher, sich mit ihren regionalen Stützpunkthändlern abzustimmen. Benötigt werden

  • bei Plattenmaterialien mit altem Grenzwert ein Nachweis, dass die Lieferung bis zum 31.12.2019 (z.B. Lieferschein) erfolgt ist,
bei neuen Plattenwerkstoffen ein Nachweis oder eine Bestätigung bezüglich der Einhaltung des neuen Formaldehyd-Grenzwerts.

(Quelle: Holz-Zentralblatt Nr. 29, S. 652f)