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Ausgabe 92

Zwei konkurrierende Systeme zum besseren Fingerschutz an Formatkreissägen

19.08.2019

Holz-Zentralblatt Nr. 27 S. 615

Auf der LIGNA wurden von den beiden Firmen Felder und Altendorf konkurrierende technische Systeme vorgestellt, um die Verletzungsgefahr für Finger und Hände bei der Formatkreissäge weitestgehend zu reduzieren. Erste derartige Systeme wurden bereits vor knapp 20 Jahren vorgestellt. Es basierte auf der kapazitiven Messung der Leitfähigkeit, da sich Holz und Finger hierin signifikant unterscheiden. Die Maschine wird im Gegenlauf innerhalb weniger Millisekunden abgebremst und mechanische aus dem Sägebereich nach unten katapultiert. Das bisherige System konnte aber bislang nur bei Baumaschinen und kleineren Sägeblättern eingesetzt werden. Zudem ging dabei das Sägeblatt ebenfalls kaputt. Festool sowie Bosch haben diese Systeme bei ihren Maschinen eingeführt. Bei Bosch wird zudem das Sägeblatt geschont, weil im Einsatzfall nur eine Patrone mit chemischen Treibgas ausgetauscht werden muss. 

Bei Fender hat man mit dem „Preventive Contact System“ (PCS) ein neues System auf dem Markt gebracht, welches bereits aber einer Auslöseentfernung von 0,5 mm reagiert. Gegen die kapazitiven Sensoren ein entsprechendes Signal, wird der Motor direkt umgepolt und innerhalb von 3 Millisekunden unter die Tischebene geschleudert. Dort wird das Sägeblatt kontrollier taufgefangen und abgebremst. Nach einer Bestätigung durch den Maschinenführer wird es wieder in seine Ausgangsposition zurückbewegt und steht ohne Beschädigung wieder zur Verfügung. Allerdings funktioniert die Felder-Technik nur für Sägeblätter bis 200 mm und für Holzer bis zu einer maximalen Holzfeuchte von 20 % - zumindest letzteres stellt für den Einsatz in Tischlereien kein Problem dar. Die Auslieferung des PCS von Felder soll aber Mitte 2020 erfolgen.

Bei Altendorf geht man einen komplett anderen Weg. Der Sicherheitsassistent „ASA“ ist mit verschiedene Kameras ausgestattet, welche den Sägeeintritt überwachen. ASA entscheidet aufgrund der fotografischen Auswertung ob Holz oder Hand geschnitten wird. Anstatt einer reinen Notabschaltung hat man hier eine mehrstufige Reaktion eingebaut. Wird der erste Sicherheitsabstand unterschritten, ertönt ein Warnsignal. Bei weiterer Annäherung wird das Sägeblatt abgebremst und unter die Tischkante geschleudert. Die Kameras erkennen die Hand unabhängig von Form, Größe, Farbe und etwa getragenen Handschuhen sowie der vorhandenen Fingerzahl. Das System von Altendorf ist für alle Sägeblattgrößen realisierbar und unabhängig vom aktuellem Feuchtegrad des geschnittenen Holzes. Auch hier ist eine Markteinführung aber erst im kommenden Jahr zu erwarten. Die zu erwartenden Mehrkosten dürften geschätzt mindestens 6.000 Euro betragen.

(Quelle: Holz-Zentralblatt Nr. 27 S. 615)