tischler-news

Ausgabe 90

Dauerbrenner Entsorgung von Styropor

18.02.2019

Handwerksblatt Nr. 7/2018 S. 9

Bei vielen Sanierungen fallen inzwischen auch Altmaterialien aus Polystyrol (Styropor) an. Diese enthalten allerdings in geringem Umfang das Flammschutzmittel (HBCD) und müssen deshalb als „gefährlicher Abfall“ entsorgt werden. Die damit einhergehenden Anforderungen wurden Ende 2016 veröffentlicht und sorgten zunächst einmal für einen Entsorgungsstau, da der bisherige Entsorgungsweg über Müllverbrennungsanlagen auf einmal nicht mehr möglich war. Kurzfristig wurde die Umsetzung der damaligen Verordnung ausgesetzt und nun im Herbst 2017 neu gefasst. Die damit einhergehenden Entsorgungsmöglichkeiten wurden neu gefasst und lassen sich nun wieder praxisnah umsetzen. Das Handwerk begrüßte grundsätzlich die neue Verordnung, gestattete sie doch wieder Entsorgung von Bauabfällen ohne vorhergehendes Aussortieren der jeweiligen Styroporanteile.

Aber der Teufel sitzt ja bekanntlich im Detail – oder genauer gesagt in der Bürokratie. Denn jetzt muss jeder Handwerksbetrieb eine detaillierte Nachweispflicht dokumentieren, welche Mengen er an Styroporabfällen wo genau entsorgt hat. Derzeit läuft in NRW eine Anhörung, um die sogenannte POP-Abfallüberwachungsverordnung zu modifizieren.

Der Handwerksbetrieb als Abfallerzeuger muss sicherstellen, dass die Konzentrationsgrenze von 1 g HBCD/kg auf die gesamte Abfallcharge nicht überschritten wird. Wenn er darunterliegt, handelt es sich nicht mehr offiziell um „POP-haltige Abfälle“, so dass dann weitere Nachweispflichten entfallen. Bei gemischten Bau und Abbruchabfällen kann davon ausgegangen werden, dass bei einem Anteil von HBCD-haltigen Styroporplatten bis zu 25 Volumenprozent der gesamten Abfallmenge die HBCD-Konzentrationsgrenze von 1 g/kg HBCD nicht erreicht wird.

Liegt der Anteil HBCD-Styropor darüber wird es kompliziert und komplette Nachweisverordnung für gefährliche Abfälle muss eingehalten werden. Betroffene Betriebe sollten unbedingt sich einem Sammelentsorgungssystem ihres Entsorgers anschließen. Dies vereinfacht die Dokumentation erheblich.

Abfallerzeuger, die pro Jahr nicht mehr als insgesamt 2 Tonnen HBCD-Plattenwerkstoffe (entspricht ca. 40 Kubikmeter) gelten als Kleinmengenerzeuger. Sie sind dann von jeder zusätzlichen Nachweispfllicht befreit. Insofern dürften nur wenige Tischlerbetriebe von den Nachweisvorgaben der HBCD-Plattenmaterialien betroffen sein.

(Quelle: Handwerksblatt Nr. 7/2018 S. 9)