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Ausgabe 90

Formaldehyd und Innenraumluftqualität

31.01.2019

Holz-Zentralblatt vom 9.11.2018

Es ist absehbar, dass die Konzentration von Formaldehyd in der Außenluft weiter steigen wird. Das liegt an dem zunehmenden Autoverkehr und dessen Nutzung von Biokraftstoffen sowie Fotosmog. Es stellt sich deshalb die Frage, ob Lüften da noch hilfreich sein kann. Die Ergebnisse des WKI-Braunschweig weisen zudem darauf hin, dass die vielfach beklagten geringen Luftwechselraten von 0,1 1/h in Neubauten ein Mythos sind. Auch bei Neubauten liege der technisch realistische Wert bei 0,5 1/h. Im Rahmen einer großen europäischen Datenstudie ergab sich für Formaldehyd eine mittlere Konzentration von 20 – 30 µg/m³, bei Neubauten lag der Wert etwas höher bei 40 µg/m³. Laut WHO soll die Formaldehydkonzentratoin in Innenräumen 100 µg/m³ nicht übersteigen. Die Wahrscheinlichkeit einer Überschreitung des WHO-Grenzwertes sei deshalb sehr gering.

Das WKI hat zudem detailliert den Einfluss von sogenannten Prüfkammertests untersucht. Diese werden zunehmend vom Gesetzgeber gefordert. Das WKI konnte zeigen, dass mit dem Konzept derartiger Prüfkammerräume die Konzentration von Formaldehyd in Innenräumen deutlich überschätzt werden, wenn die unterschiedlichen Quellen einfach aufaddiert werden. Die Prüfkammer sei zwar für Vergleiche unterschiedlicher Produkte geeignet, aber nicht sinnvoll anwendbar, um verschiedene Raumszenarien darzustellen.

Das WKI verdeutlichte zudem nochmal, dass die Formaldehydabgaben von Holzwerkstoffen im Rohzustand nur wenig darüber aussagen, wie diese nachher in Innenräumen wirken. Die Werkstoffe werden ja normalerweise beschichtet mit Farbe, Dekoren, Tapeten etc. Im Mittel konnte nachgewiesen, dass derartige Beschichtungen die Formaldehydabgabe um 75 Prozent verringert.

Das WKI verwies zudem auf Formaldehydquellen in Innenräumen, die nicht bislang so im Fokus wie die Holzwerkstoffe stehen. Dies können Verbrennungsprozesse von Kaminholz sein, aber auch vor allem dekorative Ethanolfeuer oder die Verwendung von Luftreinigern, womit bedeutende Mengen an Formaldehyd freigesetzt werden. Die Bauprodukte können derartige nutzerbezogene Einflüsse nicht kompensieren. Durch die Bauproduktrichtlinie wird aber die Haftung für Hersteller von Bauprodukte im Hinblick auf eine gesunde Innenraumluftqualität deutlich erhöht. Die Holzwerkstoffindustrie experimentiert inzwischen mit sogenannten Hybrid-Bindemitteln aus Isocynaten und Harn-Formaldehyd. Neben einer deutlichen Reduzierung der Formaldehydemissionen kann dabei auch die Abbindegeschwindigkeit erhöht werden. Mit speziellen Additiven können so „schwer entflammbare“ Spanplatten mit geringer Formaldehydabgabe hergestellt werden.

(Quelle: Holz-Zentralblatt  vom 9.11.2018)